Brigitte Wolf -
Am letzten Wochenende fand in Gondo und Ried-Brig das 10. Gondo Event statt. 120
Läuferinnen und Läufer starteten zum Doppelmarathon, 110 erreichten das Ziel. Die meisten
wollen nächstes Jahr wieder kommen.

Lizzy Hawker (Foto: Foto Walter, Grächen)
Zum 10. Mal versammelten sich letzten Freitag die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Gondo für das gemeinsame Abenteuer «Doppelmarathon». Das Rennen führt am Samstag von Gondo auf den Simplonund Bistinenpass und durch das Nanztal bis nach Ried-Brig, wo die Läufer essen und übernachten. Am Sonntag geht’s via alte Ganterbrücke und über den Simplonpass nach Gabi. Als Pièce de résistance folgt der Aufstieg aufs Furggi, von wo der Weg durchs Zwischbergental nach Gondo führt. Die meisten Läuferinnen und Läufer kommen aus Deutschland. Viele sind Wiederholungstäter, sie kommen jedes Jahr wieder. Andere waren zum ersten Mal dabei, weil ihre Laufkollegen ihnen vom Lauferlebnis am Simplonpass erzählten. Die Zahl der Teilnehmer bewegt sich seit ein paar Jahren bei rund 120 Läufern. Die Läufer, die dabei sind, schätzen die wunderschöne Landschaft, das Laufen in der Natur, das Zusammensein zwischen den Etappen mit den anderen Läufern, die unkomplizierte Organisation und die familiäre Atmosphäre.
Gute Werbung für das Simplongebiet
Das Gondo Event wurde nach dem Unwetter von 2000 vom damaligen Ultraläufer Sepp Schnyder und Gemeindepräsient Roland Squaratti ins Leben gerufen. Seither ist das Gondo Event der grösste Anlass für die Gondo und bedeutet der Gemeinde sehr viel. Zum Jubiläumsjahr sponserte sie allen Teilnehmern einen Rucksack und ein Früchtebrot. «Die Idee dieses Anlasses war, nach dem Unwetter wieder Leben nach Gondo zu bringen», sagt sich Roland Squaratti. «Dieses Ziel haben wir erreicht. Der Lauf hat sich etabliert, und für die Einheimischen, die Leute aus der Region und vor allem für die Läufer ist das Gondo Event Anfang August zu einem wichtigen Termin geworden.»

Martin Schmid (Foto: Foto Walter, Grächen)
Grosse Herausforderung auch für die Helfer
Die Organisation eines solchen Doppelmarathons erfordert viele Helferinnen und Helfer und einen grossen Einsatz der OK-Mitglieder. Eine besondere Herausforderung stellt die Streckenmarkierung dar, weil nicht nur die offiziellen Wanderwege, sondern auch schmalere Wege mit vielen Abzweigungen benutzt werden. Die meisten Läufer kennen die Gegend nicht, zudem sind sie oft alleine unterwegs. Auf der Strecke müssen deshalb unzählige Bänder und Wegweiser montiert werden. Besonders viele Helfer sind für die Betreuung der Verpflegungsposten nötig. Seit dem ersten Gondo Event sind dafür jeweils die beiden Samaritervereinen Simplon Dorf und Ried-Brig im Einsatz. Die Samariterfrauen und -männer stehen bei Sonne, Kälte oder Regen stundenlang an den Posten, füllen Getränkebecher, schneiden Bananen und Orangen auf, reichen Magnesium, massieren Waden, versorgen kleinere Blessuren und Blasen, rufen wenn nötig den Arzt.
14-Jährige mit Tagesbestzeit beim Running
Der Sieg ging auch dieses Jahr an Martin Schmid aus Zermatt, der in der Rekordzeit von 7 Stunden 44 Minuten und 54 Sekunden in Begleitung von Ehrengast Benjamin Weger und Gemeindepräsident Roland Squaratti ins Ziel lief. Bei den Frauen gewann erneut Lizzy Hawker in einer Zeit von 8:36:08. Die Ultraläuferin aus England, die seit mehreren Jahren in der Schweiz lebt, lässt es sich jeweils nicht nehmen, zwischen dem Swiss Alpine Marathon in Davos und dem Ultra-Trail du Mont-Blanc Ende August das Gondo Event als Trainingslauf zu absolvieren. Beim Gondo Running am Sonntag (28 km, 1400 Höhenmeter) hiessen die beiden Sieger Guido Heynen aus Ausserberg und Kerstin Rubin aus Baltschieder. Der Kidslauf in Gondo war der 14-Jährigen Kerstin Rubin zu kurz. Deshalb lief sie kurzerhand bei den Erwachsenen mit und stelle bei den Frauen gleich die Tagesbestzeit auf - vor ihrer Mutter Jacqueline Rubin, die das Rennen der Frauen 2 für sich entschied.
16 Oberwalliser(innen) unter den Finishern
Besonders gefreut hat sich das OK darüber, dass sich im Jubiläumsjahr insgesamt 19 Oberwalliserinnen und Oberwalliser auf die Strecke wagten. Martin Summermatter aus Brig-Glis, der alle 10 Austragungen bestritt, war neben Martin Schmid der schnellste Oberwalliser. Zum ersten Mal dabei war Nathalie Etzensperger aus Gamsen, welche auf Lizzy Hawker nur 20 Minuten einbüsste und bei den Frauen 2 gewann. Die weiteren Oberwalliser: Lucia Näfen, Brig-Glis (2. Rang bei den Frauen 2); Nadja Eyholzer, Naters und Josianne Wirthner, Glis (3. Frauen 1); Michel Schmidt, Glis (3. Männer 1); Martin Squaratti, Gondo (4. Männer 1); Tissi Hasler, Blatten, Lötschen (5. Männer 1); Roland Carlen, Naters (9. Männer 2); Erwin Venetz, Bitsch (19. Männer 2); Beni Briw, Brig (1. Männer 3); Richard Zünd, Termen (2. Männer 3); Hubert Burgener, Naters (6. Männer 3); Sepp Arnold, Simplon Dorf (24. Männer 3); Leander Schmidt, Visp (34. Männer 3); Sascha Hosennen aus Törbel, Klaus Schmidt aus Brig und Klaus Perollaz aus Brig-Glis mussten das Rennen leider aufgeben.
Grosses Wetterglück am Sonntag
Nach dem Rennen war man sich unter den Organisatoren und Läufern einig: man hatte grosses Wetterglück. Trotz sehr schlechten Prognosen gab es lediglich am Sonntag nach dem Start und für die letzten Läufer ganz am Schluss etwas Regen. Die Angst, dass das Rennen zum zweiten Mal nach 2009 in Simplon Dorf abgebrochen werden müsste, weil der Weg durch die Gondoschlucht und durch das Zwischbergental zu gefährlich wären, war zum Glück unbegründet. Am Sonntagabend klang das 10. Gondo Event mit einem Dorffest ist Gondo, an welchem auch einige Läufer aus Deutschland teilnahmen, aus. Beim Abschiednehmen betonten die meisten Teilnehmer, dass sie wieder kommen. Ein Läufer schrieb am nächsten Tag an das Sekretariat: «Ein Laufjahr ohne Gondo kann ich mir seit meiner ersten Teilnahme nicht mehr vorstellen.»
Weitere Infos des Veranstalters finden Sie unter
gondoevent.ch